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@PRESSE: WHAT THE FUCK (DE)

Quelle: berliner-zeitung.de, Sophie-Marie Schulz, 15.02.2025
Quelle: morgenpost.de, Alexander Rothe, 15.02.2025

“Eine Gruppe von vietnamesischen Frauen sucht das Gespräch mit Anna Nguyen. Sie sind vermummt, tragen Sonnenbrillen und Atemschutzmasken. Erst wirkt die Unterhaltung sachlich und entspannt, dann kippt die Stimmung. „Es ist absurd, dass du dich hierher traust“, sagt eine Frau zu Nguyen. „Deine rassistische und ideologische Politik richtet sich gegen Migranten, gegen uns und gegen dich“, fügt eine andere Frau hinzu. Umringt von Menschen bittet Nguyen darum, Abstand zu halten.”1

Zum Zeitpunkt des Gegenprotests wurde die Bundespartei AfD als “rechtsextremistischer Verdachtsfall” vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) geprüft. Einige Landesverbände, wie z.B. AfD Thüringen, AfD Sachsen oder AfD Sachsen–Anhalt galten jedoch schon vor 2025 als “gesichert rechtsextrem”. Dass die AfD menschenverachtende Hetze gegen die Vulnerabelsten unserer Gesellschaft, wie Migrant*innen, queere, arme und be_ hinderten Menschen betreibt, findet in der Berichterstattung jedoch keinen Platz.

Dabei hetzt die AfD nicht nur gegen Migrant*innen, sondern ist in rechtsextremen Netzwerken verstrickt, aktiv und federführend. Nguyễn Văn Tú wurde 1992 durch dem Neonazi Mike Lillge ermordet. Seine Freunde holten Verstärkung, einer davon war Daniel Birkefeld. Heute ist er AFD-Bezirksverordneter in Marzahn-Hellersdorf. Die AFD hat keine Scheu, ihre menschenverachtenden Abschiebefantasien durch konkrete Remigrationspläne und jüngsten Forderungen nach der Einführung einer “Abschiebe-Polizei” nach Trumps Vorbild der ICE-Behörde in Deutschland durchsetzen zu wollen.

Mit Hilfe von Zeitungen wie der Berliner Zeitung oder der Berliner Morgenpost wird die faschistische und menschenverachtende AfD verharmlost und geschützt, indem sie als “neutraler” politischer Akteur dargestellt wird.

Statt die AfD–Präsenz und die Verbreitung ihrer rechten Ideologien in einem migrantischen Community–Ort zu problematisieren, werden stattdessen vietnamesische Protestierende als Störfaktoren des Partei–Wahlstandes der AfD und als Kriminelle dargestellt. Auch die Vermummung der Protestierenden zum eigenen Schutz wird hier problematisiert und als Gefahr inszeniert. Dass rechte Faschos wie aktuelle Parteimitglieder und die Anhängerschaft der AfD uns und unsere Familien, unser Zuhause, unsere Arbeits– und Communityräume seit den 80ern attackieren und Progrome wie Rostock Lichtenhagen und Morde wie an Nguyễn Ngọc Châu & Đỗ Anh Lân (1980, Hamburg), Nguyễn Văn Tú (1992, Berlin-Marzahn) und Nguyễn Tấn Dũng (2008, Berlin-Marzahn) zu verantworten haben und wir unser und das Leben unserer Familien riskieren, wenn sie uns identifizieren, wird dabei völlig außer Acht gelassen.

“Im Dong Xuan Center werden am Sonnabend im Eingangsbereich gefälschte AirPods angeboten. Der Verkäufer verrät, er müsse heute besonders vorsichtig sein. Nur wenige Meter entfernt hat sich ein Großaufgebot an Polizeibeamten versammelt. Eine Razzia? Nein. Beatrix von Storch, AfD–Direktkandidatin in Lichtenberg, hat eine Wahlkampfveranstaltung angemeldet.”2

Das Đồng Xuân Center ist unser Zuhause. Es ist Dreh–und Angelpunkt von u.a. vietnamesischen, chinesischen, indischen, pakistanischen, afghanischen Menschen und Geschäften. Insbesondere für unsere vietnamesische Community hält sie eine große emotionale Bedeutung. Hier essen wir Gerichte, die wir vermissen. Wir gehen hier für uns und unsere Geschäfte einkaufen, hier schneiden wir unsere Haare, hier buchen wir unseren Urlaub und gehen zu unserem Steuerberater. Hier feiern wir unsere Feste – vom 1. Kindergeburtstag bis hin zu Hochzeiten und Lunar New Year. Im Đồng Xuân Center finden wir zurück zu unserer Sprache und unseren Traditionen.

“Internationalität und Exotik, Schwarzarbeit und Kriminalität – Die Wahrnehmungen des Dong-Xuan–Centers in Lichtenberg gehen in der Öffffentlichkeit weit auseinander. Mit der AfD wurde Deutschlands größter Asiamarkt bisher nicht in Verbindung gebracht.”3

All das schaffen die Zeitungen nicht abzubilden. Stattdessen wird das Đồng Xuân Center direkt zu Beginn kriminalisiert und als “unsicheren, gefährlichen” Schauplatz inszeniert, wo infolgedessen die Protestierenden passend zum Ort als Bedrohung dargestellt werden.

“Vietnam ist noch immer eine Diktatur. Das vergisst man leicht, wenn man in den Urlaub in das Land am südchinesischen Meer fährt. Vor allem auch deshalb, weil viele Menschen in Deutschland nur wenig Kontakt mit Vietnamesen, die hier leben, haben.

Außer in Restaurants und im Dong Xuan Center vielleicht. Das Dong Xuan Center ist eine vietnamesische Institution in Berlin. Doch auch hier spürt man Mentalitätsunterschiede. Es erfordert interkulturelle Kompetenz, um hier mit den Vietnamesen ins Gespräch zu kommen.”4

Vietnam ist gesellschaftlich wie politisch sehr komplex, sowohl die Geschichte wie auch die Gegenwart. Deutsche Zeitungen, die Vietnam als “Diktatur” vereinfachen ohne Differenzierung zwischen Regierung, Gesellschaft und Opposition und im gleichen Atemzug es als Urlaubsort am “südchinesischem Meer” inszenieren, zielen nicht auf eine kritische Berichterstattung ab, sondern wollen Vietnam und Vietnames*innen im Gegenzug zu “Deutschland und den Deutschen” als “rückständig”, “unzivilisiert”, “anders” und “exotisch” markieren.

Auch die Darstellung, dass “viele Menschen […] nur wenig Kontakt mit Vietnamesen […] außer in Restaurants und im Dong Xuan Center” hätten, bedient sich einer pauschalisierenden und rassistischen Narrative und grenzt uns nicht nur aus allen Teilen der Gesellschaft aus, sondern macht uns aktiv unsichtbar.

Wir werden als homogene Gruppe mit “Mentalitätsunterschieden” bezeichnet, wenn wir nicht mit Menschen und der deutschen Presse reden wollen, wenn sie uns im Alltag belagern. Dass es allerdings mit strukturellem Rassismus, Ängsten, Sprachbarrieren zutun hat oder einfach, weil wir KEINEN BOCK HABEN, weil wir wissen, sie haben sich eh schon ein Bild von uns gemacht, kommt ihnen überhaupt nicht in den Sinn.

Quelle: Thời báo (YouTube), 15.02.2025

Der Videobeitrag von Thời Báo greift viele wichtigen Punkte auf. Allerdings müssen wir auf eine Aussage Bezug nehmen.

“[…] dies ist der Anti–AfD–Block der zivilgesellschaftlichen Organisationen hier, und sie werden von der Polizei sehr streng beschützt […]”

Wir möchten ganz klar sagen: die Polizei schützt uns nicht, sie schützt die staatliche Autorität. Die Erzählung, die Polizei sei auf Demonstrationen “zum Schutz der Versammlungsfreiheit” vor Ort, ist ein Widerspruch zu unserer gelebten Realität. Die Polizei als ausübende Institution des Staates kontrolliert, kriminalisiert, tötet und vertuscht. Dabei werden v.a. migrantische Menschen und ihre Lebens– und Arbeitsräume zur Zielscheibe. Oury Jalloh, Lorenz, Christy Schwundeck, Mouhamed Dramé – alles keine Einzelfälle. Unangekündigte, rassistisch motivierte Razzien durch Polizei, Zoll und Ausländerbehörden in unserem Zuhause und in unseren Läden stehen an der Tagesordnung. Es ist kein Geheimnis, dass viele Polizist*innen selbst in rechtsextremen Netzwerken verstrickt sind. Auf den Leak um eine Polizei–Chatgruppe 2024, in denen über Jahre hinweg rechtsextreme, menschenverachtende und verfassungsfeindliche Inhalte geteilt wurden, folgten kaum Konsequenzen, einige der Polizist*innen sind noch immer im Dienst. Auch auf vielen antirassistischen Demonstrationen in ganz Deutschland gehen Polizeikräfte mit physischer Gewalt gegen uns Protestierende vor und prügeln uns krankenhausreif zu Boden. Wer glaubt, die Polizei schütze uns, irrt sich gewaltig.

“Dort kam es zu einer „heftigen Konfrontation“ zwischen der AfD und der Partei Die Linke, deren Vorgänger die Sozialistische Einheitspartei der DDR und die Kommunistische Partei Deutschlands waren. Auch bei der Partei Die Linke waren einige vietnamesische Mitglieder der zweiten Generation dabei, die sich der Protestgruppe gegen die AfD anschlossen.”5

Die vietnamesischsprachige Plattform wird von Phạm Quỳnh Nga betrieben, eine Sängerin ohne journalistische Ausbildung. Phạm, Teil der älteren 1. Generation von Vietnames*innen in Deutschland, betreibt die Plattform laut Website im Alleingang als 1–Personen–Redaktion.

Im Folgenden beleuchten wir Phạms Artikel über unseren Gegenprotest kritisch.

Die Darstellung, dass der Gegenprotest von der Partei Die Linke organisiert worden sei, ist schlichtweg falsch – die Protestaktion ist von uns als Einzelpersonen aus der vietnamesischen Community heraus “von unten” selbstorganisiert und getragen worden. Die Partei Die Linke sowie viele weitere unterstützenden Gruppen und Organisationen sind als Teilnehmende zu unserem Gegenprotest erschienen. Hier wurde sich keine Mühe gemacht, die Faktenlage zu prüfen.

Im Weiteren falsch: die Linke ist keine Nachfolgepartei der SED, sondern ist 2007 aus dem Zusammenschluss der west– (WASG) und ostdeutschen Linken (PDS) gegründet worden. Hier wurden nicht nur falsche Tatsachen wiedergegeben, und offensichtlich auch mit Kalkül, da hier der Gegenprotest als Parteiveranstaltung, quasi der lange Schatten des DDR–Sozialismus, ohne politische Legitimität dargestellt werden soll. Diese Verdrehung der Tatsachen und Verschleierung einer Machtasymmetrie macht die Eigeninitiative aus der Community unsichtbar.

Teile unseres Orga–Teams sind seit Jahren in der Aufklärungsarbeit zu rassistischen Morden aktiv, wie z.B. Nguyễn Văn Tú, Phan Văn Toàn, Hanau. Wir organisieren Demos gegen anti–asiatischen Rassismus und anti–migrantische Politik und schaffen regelmäßig Räume, um gemeinsam über die politische Situation zu sprechen. Im Zusammenhang mit der Demo bestand zwischen unserer Gruppe und Der Linken gemeinsame Anliegen, aber weder sind wir zusammen organisiert, noch sind wir für unsere politische Arbeit auf Parteien angewiesen.

Der Beitrag spricht uns Organisator*innen das politische Urteilsvermögen ab und im Weiteren der vietnamesischen Community, die als politischer Akteur scheinbar schlichtweg nicht imaginierbar für Phạm ist.

“Seit Deutschland seine Grenzen für Migranten geöffffnet hat, ist die Sicherheitslage instabil geworden; […] Die Täter sind überwiegend islamistische Extremisten aus dem Nahen Osten, Zentralasien oder Nordafrika. Nicht nur Terroranschläge mit Todesopfern, sondern auch Diebstähle, Banküberfälle und Vergewaltigungen fifinden überall in Deutschland statt. Selbst im Dong Xuan Center, […] kommt es regelmäßig zu Diebstählen und dem Einschlagen von Autoscheiben, was den hier ansässigen Geschäften und den Kunden, die zum Einkaufen kommen, Schaden zufügt – und die Täter sind niemand anderes als illegale Einwanderer aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Südamerika.”6

Der Beitrag wirft Behauptungen wild um sich. Es wird erneut deutlich, dass viet–bao.de noch nie von journalistischen Richtlinien und vom Pressekodex gehört hat. Auf Quellen wird gänzlich verzichtet, migrantische Menschen aus Nordafrika, dem “Nahen Osten” und Südamerika werden pauschal kriminalisiert oder als “islamistische Extremisten” abgestempelt. Dies ist keine Berichterstattung, das ist Hetze mit journalistischer Verpackung.

Zur Faktenlage: Studien zeigen, dass es eine höhere Anzeigebereitschaft gegenüber Personen gibt, die als “fremd” wahrgenommen werden als bei denen, die als “deutsch” wahrgenommen werden. In Bezug auf jugendliche Gewaltdelikte wurde z.B. erforscht, dass wenn Opfer und Täter als “deutsch” gelesen werden, wird in 7,9% der Fälle angezeigt, aber wenn der Täter vermeintlich “nicht–deutsch” sei, wird in 22,4% der Fälle angezeigt7. Zudem haben weitere Studien und Befragungen gezeigt, dass Angehörige von marginalisierten Gruppen überdurchschnittlich oft von der Polizei kontrolliert werden (“Racial Profiling”).8

Gerade unsere vietnamesische Community weiß aus eigener Geschichte und erlebt bis heute, was es bedeutet, pauschal verdächtigt, kriminalisiert und illegalisiert zu werden. Migrant*innen sind nicht das Problem, das ĐXC ist lebender Beweis dafür. Wer diese Community mobilisieren will, indem er Angst vor anderen migrantischen Gruppen schürt, spielt das älteste Spiel der Herrschenden: Spaltet die Schwachen, damit die Machthabenden ungestört regieren können.

“Laut einer Erklärung des US–Vizepräsidenten JD Vance sind mittlerweile ein Fünftel der deutschen Bevölkerung Migranten. Die AfD wird von der Trump–Regierung uneingeschränkt unterstützt; US–Vizepräsident JD Vance traf sich am Rande des Sicherheitsgipfels in München, Bayern, zu einem privaten Gespräch mit der AfD–Vorsitzenden Weidel. Elon Musk, der US– Milliardär und Tesla–Space–Chef, der auch Mitglied der Regierung ist, hat sich ebenfalls für die AfD im Rahmen der deutschen Wirtschaftsreform ausgesprochen.”9

Der Text feiert, dass Elon Musk und die Trump– Regierung die AfD unterstützen, als wären das Promis, denen wir folgen sollten. Eins ist für uns klar: wir als vietnamesische Community und die Arbeiter*innen im Đồng Xuân Center haben nichts mit den reichsten Männern dieser Welt gemeinsam. Was haben Kleinhändler*innen, Blumenverkäufer*innen, Arbeiter*innen mit einer US–Regierung und einer Partei wie der AfD gemeinsam, die Gewerkschaften zerstört, Sozialleistungen abbaut und Prekarisierung und Ausbeutung als Geschäftsmodell betreibt? Die Antwort ist: NICHTS! Wir sind näher dran als kriminalisierte Migrant*innen ohne Kapital ausgebeutet und abgeschoben zu werden, als auch nur 0,0001% des Wohlstands von Trump oder Musk zu besitzen. Ihre Versuche der Einfl ussnahme auf den deutschen Wahlkampf unterliegt den Maximierungsinteressen ihres Kapitals.

Wir als vietnamesische Community sind keine Bedrohung, unsere migrantischen Geschwistern, Nachbar*innen und Kolleg*innen sind keine Bedrohung. Wir sind alle geprägt von kolonialen Kriegen, Armut, zur Flucht gedrängt, weil in unseren Heimatländern Kriege um Ressourcen geführt werden – Länder wie die USA und Deutschland sind maßgeblich daran beteiligt und dann werden wir hier in Deutschland erst als billige Arbeitskraft missbraucht und dann illlegalisiert und als Sündenböcke auf die Abschiebeliste gesetzt.

Einordnung viet-bao.de

Der Artikel steht exemplarisch für die unseriöse Berichterstattung auf viet–bao.de, die keinerlei journalistische Standards einhält und im Falle des hier zitierten Artikels hetzerische, anti– migrantische Stimmungsmache verbreitet –ohne Faktenlage, aber dafür mit Reichweite, denn Phạm hat tausende Abonnent*innen auf Facebook und inszeniert sich dort als halb rasende Reporterin, halb Influencerin. Betrachtet man ihre Facebook– Präsenz und die 2014 gegründete viet–bao.de–Website als zusammenhängende Publikationsplattform, wird sichtbar, dass es sich hier um eine Mischung aus örtlichen Anzeigenblatt (Todesanzeige über private Geburtstagsparty, Spendenaufruf, etc.) und Nachrichtenportal darstellt, das über kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Neuigkeiten berichtet. Finanziert wird viet-bao.de aus Privat– und Unternehmensspenden.

Einen Teil ihrer geposteten Bilder, die sie an verschiedenen Veranstaltungen in Berlin schießt, der Rest aus Fotos von ihr, auf denen sie demonstrativ ihre Spiegelreflexkamera in eine Kamera hält. Ihre behauptete Legitimität als journalistische Plattform für die vietnamesische Community fußt auf dem ungefilterten Repostings von Polizeireporten, die sie ins Vietnamesische übersetzt mit ihrer privaten Meinung flankiert. In dieser Vermischung von Inszenierung als journalistische Instanz und dem Kundtun privater Meinung wird deutlich, dass sie kein Interesse an einer sachlichen Vermittlung gesellschaftlicher Umstände hat.

Es wird deutlich: Zwischen dem unkritischen Wiederkäuen polizeinaher Pressemitteilungen, dem Propagieren von rassistischer Law&Politik und privater Meinungs passt kein Blatt Papier, kein Zweifel bezüglich publizistischer Verantwortung, keine Reflexionsmoment gesellschaftlicher Umstände. Anstatt komplexer Darstellung und kritischer Auseinandersetzung mit gewaltvoll hergestellter Ausbeutung sowie Entrechtung von Migrant*innen hier und in ihrer Herkunftsländer dort bastelt sie selektive Wahrnehmungen zu Migration zu flachen Erklärungsversuchen, welche Kriminalität ethnisieren und gesellschaftliches Unrecht zum individuellen Problem erklären. Das Kundtun ihrer privaten Meinung scheint für sie kein Hindernis für journalistische Sorgfalt zu sein – im Gegenteil scheint ihr daran gelegen, dies als Ausweis “authentischer” Berichterstattung geltend und plausibel zu machen.

Würde man an viet–bao.de die Pressekodex (Wahrhaftigkeit, Sorgfalt, Meinungs– und Nachrichtentrennung, etc.) anliegen, würde die Plattform durch sämtliche, verbindlichen Kriterien fallen.

Aufruf zur Bildung kritischer Gegenstimmen zu viet-bao.de

viet–bao.de diskreditiert sich als journalistische Nachrichtenplattform hinsichtlich Glaubwürdigkeit, und genießt dennoch Vertrauen innerhalb der vietnamesischen Community. Warum?

Aufgrund von Sprachbarrieren und fehlenden Interesses von klassischen Medien an unserer Community ist diese auf informelle Netzwerke hinsichtlich Berichterstattung, Vermittlung und Aufklärung angewiesen. Community–nahe Medienakteur*innen können unmittelbar und flexibel auf Geschehnisse innerhalb der Community reagieren. In diesem Sinne könnten Plattformen wie viet–bao.de eigentlich eine wichtige Funktion erfüllen: Sie schaffen niedrigschwelligen Zugang zu Informationen und erhöhen die Sichtbarkeit von Themen innerhalb der Community. Durch die mediale Vermittlung können enge soziale Bindungen und hohes Engagement innerhalb der Community resultieren.

Im Falle von viet–bao.de wird deutlich, dass es die mediale Lücke nicht als Anlass nimmt, um sich angesichts der fehlenden medialen Beachtung als reichweitenstarke Nachrichtenquelle um die Einhaltung von journalistischen Standards zu bemühen.

Ohne etablierte Mechanismen zur kritischen Einordnung, Beschwerden–Möglichkeiten und kollektiven Reflektion besteht das Risiko, dass sich eine solche Plattform schrittweise von einem Raum der Community–Kommunikation zu einem Kanal entwickelt, über den nur noch persönliche und externe Interessen verstärkt wirken. Wir sehen das daher umso mehr die Notwendigkeit, dass sich in unserer Community Stimmen mit einem Grundverständnis für eine journalistische Ethik als kritisches Gegengewicht zu Plattformen wie viet-bao.de zu hervortun.

  1. berliner-zeitung.de, Sophie–Marie Schulz, 15.02.2025 ↩︎
  2. berliner-zeitung.de, Sophie–Marie Schulz, 15.02.2025 ↩︎
  3. taz.de, Marina Mai, 16.2.2025 ↩︎
  4. berliner-zeitung.de, Carola Tunk, 21.02.2025 ↩︎
  5. viet-bao.de, 16.02.2025 ↩︎
  6. viet-bao.de, 16.02.2025 ↩︎
  7. mediendienst–integration.de, Forschungsbericht vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachen e.V., “Jugendliche in Niedersachsen. Ergebnisse des Niedersachsensurveys 2024”, 20.04.2026 ↩︎
  8. mediendienst–integration.de, Sachverständigenrat für Integration und Migration, “Racial Profiling bei Polizeikontrolling”, 29.04.2026 ↩︎
  9. viet-bao.de, 16.02.2025 ↩︎